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Gutshöfe Estlands
Diverse Bedeutungen des Wortes "Gut"
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Das Wort „Gut“ trägt in Estland heutzutage unterschiedliche Bedeutungen.

  1. Gut als Wirtschaftseinheit und Unternehmen. Alle Gutshöfe waren im historischen Sinne betrachtet große Wirtschaftseinheiten bzw. Unternehmen – sie hatten ein eigenes Tätigkeitsbereich, Arbeitnehmer usw. Diese Art von Unternehmen konnte entweder in privaten Händen liegen oder der Stadt, dem Staat oder jemandem anderen gehören. Gutshöfe waren in der Regel landwirtschaftliche Betriebe, aber nicht nur. Im 19. Jahrhundert haben viele Gutshöfe ihr Reichtum durch Schnapsbrennerei oder durch Produktion anderer Erzeugnisse erschaffen. In Sonderfällen bestand ein Gut aus einem Industrieunternehmen, so waren z.B. die Filzfabrik in Kärdla/Kertel, Textilfabrik in Joala/Joachimstal und Glaswerk in Järvakandi/Jerwakant gleichzeitig Gutshöfe und Industrieunternehmen.

  2. Gut als Verwaltungseinheit und Territorium. Im 18.-19. Jh. gehörte außerhalb der Städte die gesamte Fläche Estlands den Gutshöfen. Kirchspiel galt damals als Verwaltungseinheit, deren Zentrum aus einer Kirche und einem Pastorat bestand. Gewisse Kirchspiele bildeten zusammen einen Kreis. Das Kirchspiel selber war aber in Gutshöfen aufgeteilt. Obwohl die Grenzen der Kirchspiele und Gutshöfe oft nicht ganz übereinstimmten, konnte man in meisten Fällen die Gutshöfe doch zu bestimmten Kirchspielen zuordnen. Die Zugehörigkeit zu einem Kirchspiel wurde gewöhnlich vom Zentrum des Gutes bestimmt, obwohl zu demselben Kirchspiel gewöhnlich auch das größte Gebiet des Gutes und Dörfer gehörten. Wenn wir heutzutage als Anschrift den Namen der Gemeinde, des Landkreises und des Dorfes verwenden, wurde bis 1910 anstatt dessen der Name des Kirchspiels und Gutes verwendet. Wenn es um die Bauern ging, wurde gewöhnlich auch das Dorf und manchmal auch der Bauernhof erwähnt.

  3. Gut als Gebäudekomplex (Herz des Gutes). Die Gebäude, die zu einem Gutshof errichtet worden sind, damit Letzterer als Wirtschaftseinheit funktionieren konnte, wurden meistens auf eine bestimmte Fläche gebaut. Diese wurde als Gutszentrum bzw. Herz des Gutshofes bezeichnet. Gewöhnlich befand sich dort das Hauptgebäude als Wohnhaus des Gutsbesitzers oder Gutsverwalters und zahlreiche Nebengebäude.

  4. Gut als ein Objekt der Landschaftsgestaltung. Gebäude und Park alleine bildeten kein Herz des Gutshofes, dazu gehörte vieles mehr. Bei der Errichtung des Gutshofes wurde die Landschaft oft erheblich umgestaltet – Flüsse wurden zu Teichen angestaut und mit Hilfe von Kanälen und Gräben umgeleitet, stattliche Brücken gebaut, auf Gefällen stufenweise fallende Plateaus errichtet usw. Oftmals wurde auch die Richtung der Zufahrtswege zum Herzen des Gutshofes verändert: gegebenenfalls wurden sie begradigt und zu beiden Seiten Bäume gepflanzt. Dadurch entstanden ganze Alleen. Auch die Friedhöfe der Gutsbesitzer können zu einzelnen Objekten der Landschaftsgestaltung gezählt werden. Manchmal war es ein kleiner Friedhof, oftmals befand sich dort aber eine Friedhofskapelle, die als kleiner und stilvoller Sakralbau in der Umgebung auffiel. Unter der Kapelle befanden sich gewöhnlich gewölbte Grabstätten, die für Bestattungen genutzt wurden.

  5. Gut als stattliches Wohnhaus (Hauptgebäude). Das Hauptgebäude oder das Wohnhaus des Gutsbesitzers war gewöhnlich die auffallende Einrichtung im Zentrum des Gutes. Das Hauptgebäude wurde meistens an der Stelle errichtet, die landschaftlich am attraktivsten und günstigsten war und erst nach dem Wohnhaus wurden andere zum Gut gehörende Gebäude gebaut.

  6. Gut als Zentrum des Lebens und der Kultur der Umgebung. Durch die Agrarreform im Jahre 1919 wurden Gutshöfe (darunter auch viele Zentren der Gutshöfe) enteignet. Da die Einwohner damals wenig stattliche Schulhäuser, Kulturhäuser und andere öffentliche Gebäude hatten, wurden viele Gutshöfe gerade für diese Zwecke benutzt. Im Hauptgebäude befand sich meistens eine Schule oder das Kulturhaus, im Park wurden Dorffeste veranstaltet usw. So wandelte sich das Gut langsam zum Zentrum des regionalen Lebens und der Kultur. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als ländliche Räume im größeren Umfang ausgebaut wurden, blieb das Gut oft als Zentrum des Dorfes. In der Nähe des Hautgebäudes oder des Parks wurden neue Wohnhäuser, öffentliche Gebäude usw. errichtet. So wurde aus dem ehemaligen elitären und privaten Gut oft das Zentrum der Siedlung. Diese Tendenz herrschte größtenteils nur in Estland und Lettland, wo die Gutshöfe massenhaft enteignet wurden. Dagegen in Staaten, in denen die Gutshöfe nicht enteignet wurden (z.B. in Finnland und Schweden), kann man diese Tendenz nicht feststellen – dort bildeten Gutshöfe keine Basis zur Weiterentwicklung der 1. der ländlichen Gebiete und Gutshöfe wurden nicht zu regionalen Zentren.
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